How to: Richtig paffen für vollen Genuss
Wir haben uns bisher mit dem richtigen Zubehör beschäftigt, mit der Lagerung , dem Anschnitt und Genussmitteln die sich mit Zigarren kombinieren lassen; mit so ziemlich allem was die Basics angeht, die ein angehender Aficinado wissen sollte. Bis auf eines: Den Smoke selbst! Wie paffe ich eine Zigarre richtig?
Was nutzen einem all diese Tipps wenn man dann eine perfekt brennende Zigarre in der Hand hält, aber nicht weiß was man damit anfangen soll? Es steigt ja auch niemand in einen Ferrari, wenn er nicht weiß wie er Gas gibt und das Lenkrad bedient. Wenn man, wie hier besprochen , die Zigarre mit einem Zedernholzspan oder einem guten Gasfeuerzeug erst getoasted und anschließend entzündet hat – der Motor also angeworfen ist – geht es ans Paffen.
Geduld und Verzicht für wahren Gewinn
Eine Zigarre sollte, genau wie der Genuss einer Pfeife, im Regelfall nicht auf Lunge geraucht werden . Aus der sichtbaren Füllung allein lässt sich allerdings weder die Zusammensetzung noch die gesundheitliche Wirkung des Rauchs zuverlässig ableiten. Bei dieser Unterscheidung geht es um die beschriebene Art des Rauchens, nicht um eine gesundheitlich sichere Alternative. Das bewusste Wahrnehmen von Aromen und der Besonderheit einzelner Produkte steht in vielen Beschreibungen im Vordergrund. Nikotinaufnahme und Abhängigkeit werden dadurch jedoch nicht ausgeschlossen.
Wenn die Zigarre nun also brennt, wird häufig ein langsamer Rhythmus beschrieben; ungefähr einmal pro Minute ist jedoch nur eine verbreitete Faustregel, keine feste Vorgabe. Dies wird am besten ausgeführt, in dem man die Lippen spitzt und zu einem kleinen Kreis formt. Die Zigarre wird zwischen Daumen und Zeigefinger, eventuell Mittelfinger, gehalten und möglichst trocken an den Mund gesetzt. Anschließend erzeugt man, ohne einzuatmen, mit den Backen einen Unterdruck und lässt den Rauch in die Mundhöhle fließen. Zigarettenkonsumenten sollten darauf achten, nicht aus Gewohnheit einzuatmen, das könnte unangenehm sein und den Rest der Zigarre negativ beeinflussen.
Technik
Der Rauch wird dann einige Sekunden in der Mundhöhle gehalten und geschwenkt. So kann über die Zunge und den Gaumen geschmeckt werden, wie sich der Smoke verändert. Man kann auch mit der Zunge ein wenig durch den Rauch fahren um den Geschmack zu verstärken. Anschließend kann er langsam ausgepustet werden. Aficinados lassen den Rauch auch gerne durch die Nase entweichen, später wird erklärt warum dies die Erfahrung des Smoke erweitern kann.
Es sollte zudem auch nicht viel öfter an der Zigarre gezogen werden, weil sich sonst der Abbrand negativ verändern könnte und der Rauch zu heiß wird, wodurch er anfängt eine vom Hersteller nicht beabsichtigte Schärfe zu bekommen. Dieselbe Thematik ereilt einen wenn zu kräftig an der Zigarre gezogen wird, die Intensität muss immer an das jeweilige Zugverhalten angepasst werden. Die sich zu schnell entwickelnde Hitze ist zudem nicht zuträglich was die Entfaltung der einzelnen Aromen angeht. Kurzum: Wer einen wirklich guten Smoke genießen möchte, braucht Geduld.
Biologie und Fantasie
Wenn diese Geduld mitgebracht wird entstehen durch ein Zusammenspiel verschiedener Nerven und Faktoren die Eigenheiten der Zigarre. Die offensichtlichsten Adressaten für die Noten des Rauchs sind natürlich die Geschmacksknospen auf der Zunge, die Mundschleimhäute und der Gaumen. Der Trigeminusnerv – der fünfte Hirnnerv – dessen Enden sich unter anderem in Mund und Nasenschleimhaut befinden, spielt auch eine wichtige Rolle. Er übermittelt unserer Wahrnehmung in erster Linie irritierende Eigenschaften wie Wärme, Schärfe und ein leichtes Prickeln. Zu den grundlegenden Geschmacksqualitäten gehören süß, sauer, salzig, bitter und umami. Fließen aber diese unterschiedlichen Wahrnehmungen nun zusammen, stellt das Gehirn Bezüge her und assoziiert mit Bekannten Gerüchen und Geschmäckern. So wird aus den einzelnen Teilen ein Kompositum, welches eine Zigarre nach Leder, Kaffee, Holz, floralen Noten oder einer frisch gemähten Wiese „schmecken“ lässt.
Gerüche schmecken
Dadurch, dass die Assoziation auch mit Gerüchen gebildet wird, wird auch von Holz und Leder oder anderen nicht direkt genießbaren Gütern gesprochen. Dies macht Zigarren unter anderem so interessant; bekannte angenehme Gerüche werden sehr intensiv heraufbeschworen und genossen. Man schließt die Augen, pafft ein wenig und erinnert sich an den letzten Winterurlaub. Neben dem Kamin liegt ein Stapel gut abgelagerter, duftender Holzscheite, man selber sitzt auf der antiken Ledercouch und genießt einen heißen Tee mit etwas Rum . Genau das richtige nach einem langen Skitag; die Sonne, die Berge und die letzte Abfahrt noch sehr präsent in der Erinnerung. Das alles erlebt man nocheinmal im eigenen Garten oder der nächsten Smokers Lounge.
Woran erinnert Sie Ihre Zigarre? Kopfkino für Genießer und Romantiker.
Mit einer Zigarre genießt man nicht nur den Rauch und Aromen, man genießt die hervorgerufenen Erinnerungen. Deswegen ist jede Zigarre so einzigartig wie Ihr Konsument und lässt sich trotz derselben Rohstoffe sehr schwer in eine Schublade stecken.
Geschmack, Geruch und Reizempfinden auseinanderhalten
Bildhafte Erinnerungen beim Beschreiben einer Zigarre sind persönliche Gesamteindrücke. Für eine genauere Einordnung lohnt sich die Trennung seiner Bestandteile. Eine Grundgeschmacksqualität wie bitter ist etwas anderes als die Erinnerung an Holz; ein Hitze- oder Reizeindruck ist wiederum nicht mit einem bestimmten Aroma gleichzusetzen.
Das erklärt auch, warum zwei Personen denselben Eindruck unterschiedlich benennen können. Wer im Alltag andere Lebensmittel, Gewürze oder Gerüche kennt, verwendet andere Vergleiche. Die Beschreibung ist damit nicht automatisch falsch, aber auch keine objektive Zutatenliste.
Ein Aromawort sollte deshalb zunächst als Vergleich gelesen werden. Die Formulierung „erinnert an Kaffee“ ist präziser als die unbelegte Behauptung, im Produkt müsse Kaffee enthalten sein. Für die tatsächliche Zusammensetzung sind Herstellerinformationen und gegebenenfalls die Produktkennzeichnung maßgeblich.
Beobachtungen notieren, ohne daraus einen Test zu erfinden
Eine private Notiz und ein veröffentlichter Produkttest erfüllen unterschiedliche Ansprüche. Bei einer Notiz reicht es, den eigenen Eindruck nachvollziehbar festzuhalten. Ein Vergleich mehrerer Produkte benötigt darüber hinaus eine erklärte Methode und tatsächlich vorhandene Beobachtungen.
Für persönliche Aufzeichnungen lassen sich zum Beispiel diese Felder auseinanderhalten:
| Feld | Mögliche Notiz | Grenze der Aussage |
|---|---|---|
| Produktidentität | Marke, Serie und Format | Ein Markenname allein beschreibt nicht jedes Modell |
| Zustand und Umfeld | Bekannte Lagerung, Ort und begleitendes Getränk | Unbekannte Bedingungen nicht nachträglich ergänzen |
| Wahrnehmung | Konkrete eigene Assoziation | Kein Nachweis einer Zutat |
| Verlauf | Wahrgenommene Veränderung im Laufe der Beobachtung | Keine Garantie für jedes weitere Exemplar |
Der Beitrag Wie werden Zigarren bewertet? vertieft diese Abgrenzung. Eine sinnvolle Beschreibung muss nicht möglichst viele spektakuläre Aromawörter enthalten. Einige präzise, tatsächlich wahrgenommene Eindrücke sind nachvollziehbarer.
Feste Regeln nicht mit allgemeiner Gültigkeit verwechseln
Hektik ist kein gutes Beobachtungsprinzip. Daraus folgt aber keine verbindliche Zahl von Zügen oder Sekunden. Unterschiedliche Konstruktionen, Abmessungen und Bedingungen lassen sich nicht durch einen einzigen Rhythmus vollständig beschreiben.
Dasselbe gilt für die beschriebene Geruchswahrnehmung durch die Nase. Sie ist keine Voraussetzung dafür, eine Zigarre fachkundig einordnen zu können, und keine gesundheitliche Schutztechnik. Niemand muss eine zusätzliche Reizung in Kauf nehmen, um eine möglichst anspruchsvolle Beschreibung zu liefern.
Die Grundlagen zu Aufbau und Umgang helfen dabei, technische Begriffe von persönlichen Vorlieben zu trennen. Geschmackssprache bleibt eine Beschreibung und sollte nicht als Leistungsprüfung verstanden werden.
Nicht inhalieren bedeutet nicht risikofrei
Auch beim Paffen sind die Gewebe im Mund- und Rachenraum dem Rauch ausgesetzt. Das National Cancer Institute weist zudem darauf hin, dass Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Die Unterscheidung zwischen Paffen und Inhalieren hebt die Risiken von Tabakkonsum deshalb nicht auf.
Ein subjektiv milder Eindruck erlaubt ebenfalls keinen Schluss auf eine geringe Schadstoffbelastung. Der Text beschreibt eine Konsumform und ihre Wahrnehmung; er kann keine gesundheitlich sichere Art des Rauchens vermitteln.
Kurz zusammengefasst: Persönliche Aromaeindrücke, überprüfbare Produktdaten und gesundheitliche Risiken sind unterschiedliche Ebenen. Eine bildhafte Geschmacksbeschreibung sollte nicht als Nachweis von Zutaten oder geringerer Schädlichkeit gelesen werden.