Was macht eine gute Zigarrenmarke aus?
Zigarren sind die Krönung des Tabakgenusses. Wurden die Zigarren im letzten Jahrhundert durch die Massenproduktion von Zigaretten fast schon zum Nischenprodukt degradiert, erleben sie spätestens seit den 1990ern eine wahre Renaissance mit allen Vor- und Nachteilen. Preisgünstige Zigarren werden auch an Tankstellen angeboten. Verkaufsort und Massenproduktion allein erlauben jedoch kein umfassendes Qualitätsurteil über ein konkretes Produkt. Der ursprüngliche Beitrag von 2013 nannte Preise ab etwa drei Euro pro Stück; das ist keine heutige Preisorientierung oder feste Qualitätsgrenze. Der damalige Text nannte außerdem 50 Euro als Beispiel für ein höheres Preissegment. Auch diese historische Angabe ist kein Beleg für die heutige Qualität oder Preisgestaltung einer Marke.
Aus vielen unterschiedlichen Aspekten entstehen die besten Zigarren
Natürlich gibt es bereits sehr große Unterschiede in Form und Farbe der Zigarren. Für die Qualität einer guten, aromatischen Zigarre sind jedoch weit mehr Kriterien ausschlaggebend. Für Zigarren werden Tabakblätter zu einer jeweils festgelegten Mischung verbunden. Eine allgemeine Regel von drei Anbaujahren gibt es dafür nicht. Bei sogenannten Vintage Zigarren ist zu prüfen, auf welche Tabake und welchen Jahrgang sich die Angabe bezieht. Auch das Trocknen der Tabakblätter ist wichtig , Anbau unter Sonne oder Beschattung und das anschließende Trocknen sind dabei verschiedene Arbeitsschritte. Nun wird bei der eigentlichen Herstellung zwischen Longfillern und Shortfillern unterschieden. Bei Longfillern werden ausschließlich vollständige Tabakblätter für die Einlage im Umblatt benutzt. Bei Shortfillern besteht die Einlage aus kürzeren Tabakstücken. Homogenisierter Tabak ist davon zu unterscheiden und kann je nach Produkt beispielsweise als Umblatt verwendet werden. Letztgenannte Zigarren können zudem auch maschinell hergestellt werden.
Ähnlich wie bei erlesenen Weinen zählen die Jahrgänge
Longfiller können hochwertig verarbeitet sein; die Bezeichnung allein ist aber keine vollständige Qualitätsbewertung. Die Tabakeinlage wird mit dem Umblatt zur Puppe verbunden. Diese wird mit Holzschablonen in Form gepresst und dann in ein Deckblatt gewickelt. Dieses Deckblatt ist sehr wichtig für die Qualität der Zigarre. Eine gute Zigarrenmarke unterscheidet sich von weniger Guten dadurch, dass das Deckblatt möglichst nicht von großen und auch nicht von vielen Adern durchzogen wird. Sichtbare Adern sind kein verlässlicher Maßstab für den Nikotingehalt. Aus dem Verhältnis von Blattfläche und Adern lässt sich auch nicht unmittelbar die Aromatiefe ableiten. Übrigens ist das Deckblatt auch dafür verantwortlich, wie sich eine Zigarre nennen darf. Während der Tabak in der Puppe theoretisch auch aus verschiedenen Ländern kommen könnte, bezieht sich eine Bezeichnung wie Brasil häufig auf die Tabak- oder Deckblattherkunft und belegt nicht automatisch die Herkunft aller Bestandteile.
Eine gute Zigarren Marke kann vor dem Verkauf jahrelang gelagert sein
Nach dem Drehen der Zigarre werden diese nach Farben gebündelt und weiter gelagert. Die Lagerung erfolgt zumeist über mehrere Monate, eine sehr gute Zigarren Marke kann auch Jahre gelagert werden, damit sie das Aroma entfalten kann. Zu den bekannten Zigarren Marken zählen die Cohiba aus Kuba, Rocky Patel mit je nach Serie unterschiedlicher Herkunft oder die Flor de Selva aus Honduras. Eine besonders bekannte und häufig hochpreisig positionierte Zigarrenmarke ist die Cohiba aus Kuba. Aber auch aus dem asiatischen Sumatra kommen sehr gute Zigarren. Zumeist werden die wirklich großen Zigarren über General-Importeure vertrieben. Eine nachvollziehbare Bezugsquelle und autorisierte Händler helfen bei der Herkunftsprüfung; der Name eines Importeurs allein beweist nicht die Echtheit eines einzelnen Produkts.
Von der Marke zur konkreten Serie
Der Markenname ist ein guter Einstieg in eine Recherche, aber selten ihr Ende. Unter demselben Namen können schlanke und dicke Formate, unterschiedliche Deckblätter oder eigenständige Linien angeboten werden. Wer nur die Marke vergleicht, übersieht diese Unterschiede.
Sinnvoll ist deshalb eine vollständige Produktbezeichnung: Marke, Serie und Format. Erst damit lässt sich eine Herstellerbeschreibung zuverlässig einem konkreten Exemplar zuordnen. Eine Aussage zu einer einzelnen Robusto sollte beispielsweise nicht stillschweigend für jede Churchill derselben Marke gelten.
Das gilt auch für Herkunftsangaben. Firmensitz, Herstellungsland und Anbauländer der verwendeten Tabake sind nicht dasselbe. Ein Produkt kann in einem Land gerollt sein und Blätter aus mehreren Ländern enthalten.
Welche Angaben einen Vergleich erleichtern
Eine transparente Beschreibung hilft auch dann, wenn nicht jede Einzelheit der Mischung veröffentlicht wird. Entscheidend ist, dass vorhandene Angaben klar voneinander getrennt sind.
| Angabe | Nutzen für die Einordnung |
|---|---|
| Serie und Format | Verhindert Verwechslungen innerhalb einer Marke |
| Herstellungsland | Nennt den Ort der Fertigung, nicht automatisch alle Tabakherkünfte |
| Deckblatt, Umblatt und Einlage | Beschreibt den Aufbau soweit veröffentlicht |
| Maße | Macht die konkrete Größe vergleichbar |
| Herstellerprofil | Zeigt die beabsichtigte Richtung, bleibt aber eine Herstellerbeschreibung |
Fehlende Detailangaben sind nicht automatisch ein Qualitätsmangel. Sie begrenzen jedoch, wie präzise ein Produkt verglichen werden kann. Unsicherheit sollte deshalb offen bleiben, statt mit vermuteten Mischungen gefüllt zu werden.
Herkunft an einem Beispiel richtig lesen
Bei Flor de Selva nennt Maya Selva Honduras als Herkunft der Fertigung. Für die Colección Clásica beschreibt der Hersteller zudem eine vollständig honduranische Tabakzusammenstellung. Diese konkrete Aussage darf nicht ohne Prüfung auf jede andere Marke des Unternehmens übertragen werden.
Das Beispiel zeigt, warum Markenporträts mehr als eine Länderflagge benötigen. Ein einzelner Hersteller kann mehrere Linien mit unterschiedlichen Konzepten führen. Maßgeblich bleibt die Produktinformation zu der Serie, um die es tatsächlich geht.
Die einzelnen Bestandteile und ihre Funktionen werden im Beitrag über Einlage, Umblatt und Deckblatt genauer erklärt.
Markenruf und Zustand bleiben getrennte Kriterien
Ein guter Ruf kann Orientierung bieten, schützt aber nicht vor Schäden durch falsche Behandlung. Auch das aufwendigste Markenprodukt muss im konkreten Zustand beurteilt werden. Der Beitrag Eine gute Zigarre – darauf kommt es an ergänzt dazu praktische Prüffragen.
Ebenso sind persönliche Vorlieben keine allgemeine Rangfolge. Ein zurückhaltendes Profil kann besser passen als ein kräftiges, ohne dass daraus eine höhere Produktionsqualität folgt. Für einen Vergleich zählt deshalb die Frage „Welche Eigenschaften suche ich?“ mehr als „Welche Marke muss objektiv die beste sein?“.
Aus einem Markennamen wird erst durch genaue Produktangaben eine brauchbare Entscheidungshilfe. Eine lange Tradition, eine aufwendige Bauchbinde oder ein hoher Preis können diese Informationen nicht ersetzen.