Ein altes Zigarrenzubehör wird modern: die Bauchbinde

Bis heute ist man sich uneinig darüber, wer als erstes auf die Idee der Bauchbinde kam, die man als praktisches Accessoire um die Zigarre selbst herumwickelt. Eine verbreitete, hier nicht historisch belegte Anekdote schreibt der Monarchin Katharina der Großen die erste Idee einer Bauchbinde zu. Der Zweck lag auf der Hand: Um sich ihre schönen, royalen Finger während des Rauchens nicht schmutzig zu machen, wünschte sie sich die Herstellung eines Schutzbandes, das um die Zigarre herumgewickelt werden sollte.

Die überlieferte Geschichte um Gustav Bock

Eine andere überlieferte Geschichte nennt den in Kuba lebenden, aber aus Holland stammenden Zigarrenhändler Gustav Bock. Im ursprünglichen Beitrag wurde dafür das Jahr 1850 genannt. Ein Patentnachweis oder eine gesicherte Erstverwendung ist damit jedoch nicht belegt. Nach dieser Erzählung ließ er Papierringe um seine Zigarren legen. Diese hatten allerdings einen ganz simplen Zweck: Sie sollten seine Zigarren von denen der anderen abheben. Zu Beginn wurden diese Bauchbinden noch in schlichtem Weiß gehalten. Dies änderte sich jedoch recht schnell, da die Taktik des Don Gustavo nicht lange aufging. Die Konkurrenz ließ sich nicht so einfach abgrenzen und sprang auf den trendigen Zug der Bauchbinde mit auf.

Papierringe farbig zu bedrucken war bereits zur damaligen Zeit kein Problem, und so erschienen täglich neue, kreative Kreationen für die Verschönerung der Zigarren. Ein ganz besonderer Trend zeigte sich darin, dass man Bauchbinden herstellte, die das Konterfei des jeweiligen Rauchers zeigten. Auch um König Faruk von Ägypten wird die Geschichte erzählt, er habe Zigarren mit seinem eigenen Abbild bevorzugt. Die damalige Formulierung „seit dieser Zeit“ darf dabei nicht als Datierung in die Mitte des 19. Jahrhunderts verstanden werden.

Raucht man mit Bauchbinde – oder ohne?

Eine der wichtigsten Fragen, die viele Aficionados beschäftigt, dreht sich aber weniger um die Bilder und Schriften auf der Bauchbinde, als vielmehr darum, ob die Zigarre mit oder ohne Bauchbinde geraucht werden sollte. Allgemein lässt sich aber sagen: Die Bauchbinde hat in keiner Weise Einfluss auf den Geschmack einer Zigarre – es sei denn, man raucht das Stück Papier mit, was vermieden werden muss: Papier, Klebstoff und Druckfarben gehören nicht zum Tabak. Experten sind der Meinung, dass die Entfernung des Rings völlig unnötig ist, teilweise wird auch davon abgeraten, da die Gefahr besteht, dass bei der Entfernung der Bauchbinde auch das Deckblatt beschädigt werden könnte. Wer die Bauchbinde entfernen möchte, sollte prüfen, ob sie sich vorsichtig und ohne Zug am Deckblatt lösen lässt. Das muss nicht grundsätzlich erst nach dem Anzünden geschehen. Durch die Wärme kann sich die Klebestelle leichter lösen; das ist jedoch nicht bei jeder Binde der Fall. Nicht mit Gewalt ziehen, wenn Papier am Deckblatt haftet.

Die Bauchbinde wird modern

Die Bauchbinde wird häufig mit dem Etikett einer Weinflasche in Verbindung gebracht: Beide informieren über Namen der Marke, Hersteller und teilweise auch Produktionsjahr und außerdem weisen sie auf hohe Qualität hin. Letzteres stimmt im Bezug auf Zigarren jedoch nicht. Bei der Bauchbinde geht es im Grunde wirklich nur um Informationen zur Marke, aber nicht um Hinweise, die auf die Qualität zurückzuführen sind.

Bauchbinden und das Sammeln dieser farblichen Meisterwerke ist inzwischen zu einem regelrechten Hobby geworden. Grenzen gibt es keine, wenn es um die Gestaltung der Bauchbinden geht. Da können sich auch mal Katzen auf dem kleinen Bildchen rekeln oder sogar Autos darauf verewigt werden. Auf Internetseiten wie Pinterest haben sich schon regelrechte Fangemeinden gefunden, die alle noch so merkwürdig anmutenden Bauchbinden sammeln und bewundern.

Ein belegtes Beispiel: Politik auf dem Zigarrenring

Dass die Motive über reine Markenzeichen hinausgingen, zeigt ein konkretes Museumsobjekt. Das National Museum of American History der Smithsonian Institution führt eine Zigarre mit dem Bild William Howard Tafts aus dem US-Wahlkampf von 1908. Der Sammlungseintrag beschreibt politische Porträts als Motiv auf Bauchbinden.

Ein solches Objekt belegt eine bestimmte Verwendung. Daraus folgt weder, dass jeder abgebildete Politiker das betreffende Produkt selbst rauchte, noch dass damit der Ursprung aller Bauchbinden geklärt wäre. Gerade bei historischen Raucheranekdoten ist diese Unterscheidung wichtig: Abbildung, Werbeaussage und persönliche Gewohnheit sind drei verschiedene Dinge.

Erfinderanekdoten und belegte Sammlungsobjekte sollten deshalb voneinander getrennt werden. Ein sicher datiertes Exemplar mit nachvollziehbarer Herkunft ist für die Beschäftigung mit Gestaltungsgeschichte aussagekräftiger als eine vielfach wiederholte Erfinderlegende.

Eine Sammlung nach Fragen ordnen

Eine Sammlung braucht kein möglichst großes Durcheinander ähnlicher Ringe. Interessanter wird sie oft durch ein klares Thema: etwa unterschiedliche Schreibweisen einer Marke, Porträtmotive oder Veränderungen des Logos. Dadurch lassen sich Gemeinsamkeiten beschreiben, ohne vorschnell Alter oder Seltenheit zu behaupten.

Möglicher SchwerpunktSinnvolle Notiz
MarkenentwicklungWortlaut, Logoform und sicher zugeordnete Serie
BildmotivePersonen, Tiere, Wappen oder Gebäude
GestaltungGrundfarbe, Schrift, Prägung und Anordnung
ProduktgeschichteZugehörige Verpackung und belegte Produktbezeichnung

Für die Aufzeichnung genügt zunächst eine fortlaufende Nummer. Vorder- und Rückseite können fotografiert und gemeinsam mit der Fund- oder Erwerbssituation dokumentiert werden. Ist ein Ring nur lose überliefert, sollte genau das notiert werden. Ein vermuteter Markenname gehört nicht stillschweigend in die Spalte mit gesicherten Angaben.

Alter, Jahreszahl und Zustand getrennt erfassen

Eine Jahreszahl auf dem Motiv kann ein Jubiläum nennen, ohne das Druckjahr der Bauchbinde zu verraten. Ebenso muss vergilbtes oder beschädigtes Papier nicht besonders alt sein. Statt solcher Rückschlüsse sollte die Beschreibung zunächst beim Sichtbaren bleiben.

Für die eigene Dokumentation sind etwa Risse, fehlende Enden, Klebereste und verblichene Stellen relevant. Ob ein einzelnes Stück restauriert, nachgedruckt oder verändert wurde, lässt sich daraus nicht automatisch entscheiden. Für wertvolle Sammlungsstücke ist deshalb fachkundige Beurteilung sinnvoll; dieser Beitrag ersetzt keine Echtheits- oder Wertprüfung.

Sammlung und Zigarrenauswahl nicht verwechseln

Eine besonders schöne Binde kann gestalterisch interessant sein, auch wenn die zugehörige Zigarre nicht bekannt ist. Umgekehrt kann ein schlichter Ring zu einem aufwendig hergestellten Produkt gehören. Aus Sammelinteresse entsteht keine Rangliste der Zigarrenmarken.

Wer eine Binde von einer Zigarre lösen möchte, sollte außerdem den Zustand des Deckblatts beachten. Die praktische Seite behandelt der Beitrag zum Umgang mit der Bauchbinde. Für eine Sammlung lohnt es nicht, ein fest haftendes Papierstück mit Gewalt abzulösen und dabei Blatt und Ring zu zerreißen.

Häufige Fragen

Ist die Geschichte um Katharina die Große gesichert?
Die im Artikel überlieferte Zuschreibung wird hier als Anekdote behandelt. Ein gesicherter Nachweis für ihre Erfindung der Bauchbinde liegt dieser Darstellung nicht zugrunde.
Sind alte Bauchbinden automatisch wertvoll?
Nein. Alter, Zustand, Zuordnung und Nachfrage müssen einzeln betrachtet werden. Der Artikel enthält keine Marktpreis- oder Wertschätzung.
Was sollte bei einer Sammlung notiert werden?
Hilfreich sind Wortlaut der Aufschrift, Maße, Herkunft des Stücks und eine gesicherte Produktzuordnung. Unbekannte Angaben sollten offen bleiben.
Bezeichnet eine Jahreszahl auf dem Ring das Alter des Papiers?
Nicht zwingend. Die Zahl kann sich beispielsweise auf ein Jubiläum oder einen historischen Anlass beziehen. Ein Herstellungsjahr muss gesondert belegt werden.

Quellen und weiterführende Hinweise

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