Sigmund Freud und die Zigarren

Stand: 22. September 2026

Zurzeit pafft sich Viggo Mortensen als Sigmund Freud durch den Film “Eine dunkle Begierde”. Die Zigarre hat einen festen Platz zwischen seinen Lippen, so dass manche Zuschauer sogar meinen, er wäre schlecht zu verstehen. Mortensen hat sich für die Rolle wie üblich perfekt vorbereitet, hat genau studiert, welche Finger Freud benutzte und in welchem Mundwinkel er bevorzugt rauchte. Sogar auf die authentische Marke soll er geachtet haben. Da der Schauspieler für den Dreh sehr oft zur Zigarre greifen musste, versuchte er nicht zu inhalieren, sagt er. Damit outet er sich dann doch als Zigarrenlaie. Freud dagegen war ein ausgesprochener Zigarrenliebhaber und gönnte sich oft mehr als zwanzig Stück davon – pro Tag.

Der österreichische Psychologe und Begründer der Psychoanalyse bevorzugte kubanische Zigarren . Im Alltag musste er sich mit dem Besten zufrieden geben, was der damalige österreichische Marktmonopolist zu bieten hatte: Trabucco. Diese kleinen, relativ milden Zigarren empfand Freud jedoch als zweitklassig. Er bevorzugte Großkaliber wie Don Pedros und Reina Cubanas , heute teilweise historische Marken. Von den kleineren Sorten schätzte er Dutch Liliputanos. Solange er reisen konnte, brachte er sich seine Lieblingssorten selbst mit, etwa aus seinem Stammgeschäft im bayerischen Berchtesgaden. Später beauftragte er Freunde und Kollegen damit.

Ritual, Leidenschaft und Klischee

Sigmund Freud begann im Alter von 24 Jahren mit dem Zigarrenrauchen. Für ihn bestand diese Praktik nicht nur in dem Genuss von Tabak mit seinen feinen Aromen. Sie symbolisierte Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Männer. Mit dem Rauchen von Zigarren anzufangen war für ihn ein Initiationsritus und ein Mittel, um soziale Kontakte zu festigen. Nach eigenen Angaben konnte er ohne Zigarren nicht arbeiten und es war ihm wichtig, mit Freunden und Kollegen gemeinsam zu rauchen. In seinen Selbstanalysen setzte er sich mit seinem Laster kaum und zumindest nicht öffentlich auseinander.

Die Mengen, die Freud konsumierte, lassen ihn nicht unbedingt als bedächtigen Zigarrengenießer erscheinen und brachten ihm auch bald gesundheitliche Probleme. Gerade als er älter wurde nahm er sich oft vor, das Rauchen aufzugeben, wurde aber häufig deswegen rückfällig, weil er von Patienten Zigarren geschenkt bekam. Er hatte sogar den Eindruck, dass der wiedergewonnene Genuss einige seiner Beschwerden linderte. Vor allem aber heiterte das Rauchen ihn auf und er resümierte später, dass es eines der großartigsten Vergnügen in seinem Leben gewesen sei.

Den Klischee-Interpretationen von Zigarren als phallischen Objekten hat Freud sich nie angeschlossen, auch wenn er Symbolismus zu schätzen wusste. Noch heute gehen viele Zigarrenwitze angeblich auf seine Kosten. Sigmund Freud selbst ging mit seiner Freude am Genuss von Zigarren viel gelassener um. Einer seiner berühmtesten Sätzen ist zu einem geflügelten Wort geworden: “Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre.”