Der Vorleser in der Tabakfabrik
Theseus. Nun rückt, Hippolyta, die Hochzeitsstunde Mit Eil heran; vier frohe Tage bringen Den neuen Mond; doch, o wie langsam nimmt Der alte ab! Er hält mein Sehnen hin, Gleich einer Witwe, deren dürres Alter Von ihres Stiefsohns Renten lange zehrt.
Theseus. Nun rückt, Hippolyta, die Hochzeitsstunde Mit Eil heran; vier frohe Tage bringen Den neuen Mond; doch, o wie langsam nimmt Der alte ab! Er hält mein Sehnen hin, Gleich einer Witwe, deren dürres Alter Von ihres Stiefsohns Renten lange zehrt.
Dieser Ausschnitt aus der ersten Szene des Shakespearschen „Ein Sommernachtstraum“ lässt einen erahnen, wieso Vorleser in Zigarrenproduktionshallen zu Stücken des Meisters seines Fachs greifen. Kaum jemand verstand es so gut mit Worten Gefühle auszudrücken, die Worte wie eine Melodie klingen zu lassen und einen in eine spannende und dramatische Handlung einzufangen.
Hippolyta. Vier Tage tauchen sich ja schnell in Nächte, Vier Nächte träumen schnell die Zeit hinweg: Dann soll der Mond, gleich einem Silberbogen, Am Himmel neu gespannt, die Nacht beschaun Von unserm Fest.
Hippolyta. Vier Tage tauchen sich ja schnell in Nächte, Vier Nächte träumen schnell die Zeit hinweg: Dann soll der Mond, gleich einem Silberbogen, Am Himmel neu gespannt, die Nacht beschaun Von unserm Fest.
Don Jaime Partagás Ravelo, einer der erfolgreichsten Zigarrenproduzenten Kubas, kam im 19. Jahrhundert auf diese wundersame Idee: In seinen Produktionshallen, in denen Arbeiter tagtäglich mehrere Stunden auf ihren Plätzen verbrachten und Zigarren drehten, sollte ein Vorleser für interessante Unterhaltung und vor allem ein wenig Abwechslung sorgen.
Theseus. Geh, Philostrat, berufe Die junge Welt Athens zu Lustbarkeiten! Erweck den raschen, leichten Geist der Lust, Den Gram verweise hin zu Leichenzügen: Der bleiche Gast geziemt nicht unserm Pomp. (Philostrat ab.)
Theseus. Geh, Philostrat, berufe Die junge Welt Athens zu Lustbarkeiten! Erweck den raschen, leichten Geist der Lust, Den Gram verweise hin zu Leichenzügen: Der bleiche Gast geziemt nicht unserm Pomp. (Philostrat ab.)
Gegen Monotonie und Langeweile
Auch wenn das Rollen von Zigarren vielen recht anspruchsvoll und kompliziert erscheinen mag, so ist es für die Zigarrendreher Kubas, die seit Jahrzehnten nichts anderes machen, doch eine recht eintönige Beschäftigung. Und so wurde Mitte des 19. Jahrhunderts der Langeweile und Monotonie der Kampf angesagt und Arbeit und Bildung verschmolzen miteinander. Dabei sind die Vorleser an keinerlei Vorgaben gebunden: Shakespeare, Alexandre Dumas, Emile Zola, aber auch das aktuelle Tagesgeschehen oder Lebensweisheiten werden vorgelesen. Zeitweise wurde das Vorlesen in den Zigarrenfabriken sogar verboten, da die Texte als zu heikel angesehen wurden. Dies führte allerdings zu einer kleinen Revolte. Die Arbeiter, die durch politische Texte zum eigenen Denken angeregt wurden, wollten diese Tradition nicht mehr missen.
Hippolyta! ich habe mit dem Schwert Um dich gebuhlt, durch angetanes Leid Dein Herz gewonnen; doch ich stimme nun Aus einem andern Ton, mit Pomp, Triumph, Bankett und Spielen die Vermählung an.
Hippolyta! ich habe mit dem Schwert Um dich gebuhlt, durch angetanes Leid Dein Herz gewonnen; doch ich stimme nun Aus einem andern Ton, mit Pomp, Triumph, Bankett und Spielen die Vermählung an.
Allerdings verblasst die Tradition inzwischen. CD und Radio sind eine große Konkurrenz geworden, teilweise teilen sich Vorleser und Radio inzwischen die Arbeitszeit. Dabei ist der Beruf des Vorlesers, der lectora de tabaquería ein richtiger Beruf in Kuba, der allerdings so nicht gelernt werden kann. Vorleser sind sich ihrer wichtigen Rolle in den Produktionshallen bewusst. Und auch die Zigarrenroller betonen immer wieder, wie überaus wichtig das Vorlesen gegen Monotonie und für mehr Bildung sein kann. Insgesamt gibt es 300 Vorleser in Kuba – leider werden es immer weniger.
Egeus. Dem großen Theseus, unserm Herzog, Heil! Theseus. Mein guter Egeus, Dank! Was bringst du Neues?
Egeus. Dem großen Theseus, unserm Herzog, Heil! Theseus. Mein guter Egeus, Dank! Was bringst du Neues?
Aber die Herstellung der Zigarre ist eine Tradtitionsarbeit, und darum kennt sich kaum ein anderer so gut mit dem Bewahren von Traditionen aus. Auch wenn viele Vorleser langsam verschwinden, ganz aus den Hallen entfernen sie sich doch nicht. Zu hoch angesehen, zu beliebt und zu erfolgreich ist ihre Arbeit.
Egeus. Verdrusses voll erschein ich und verklage Mein Kind hier, meine Tochter Hermia. - Tritt her, Demetrius. – Erlauchter Herr, Dem da verhieß mein Wort zum Weibe sie. Tritt her, Lysander. – Und, mein gnädger Fürst, Der da betörte meines Kindes Herz. Ja! Du, Lysander, du hast Liebespfänder Mit ihr getauscht: du stecktest Reim ihr zu; Du sangst im Mondlicht unter ihrem Fenster Mit falscher Stimme Lieder falscher Liebe; Du stahlst den Abdruck ihrer Phantasie Mit Flechten deines Haares, buntem Tand, Mit Ringen, Sträußen, Näschereien (Boten Von viel Gewicht bei unbefangner Jugend); Entwandest meiner Tochter Herz mit List Verkehrtest ihren kindlichen Gehorsam In eigensinngen Trotz. – Und nun, mein Fürst, Verspricht sie hier vor Eurer Hoheit nicht Sich dem Demetrius zur Eh, so fordr ich Das alte Bürgervorrecht von Athen, Mit ihr, wie sie mein eigen ist, zu schalten. Dann übergeb ich diesem Manne sie, Wo nicht, dem Tode, welchen unverzüglich In diesem Falle das Gesetz verhängt.
Egeus. Verdrusses voll erschein ich und verklage Mein Kind hier, meine Tochter Hermia. - Tritt her, Demetrius. – Erlauchter Herr, Dem da verhieß mein Wort zum Weibe sie. Tritt her, Lysander. – Und, mein gnädger Fürst, Der da betörte meines Kindes Herz. Ja! Du, Lysander, du hast Liebespfänder Mit ihr getauscht: du stecktest Reim ihr zu; Du sangst im Mondlicht unter ihrem Fenster Mit falscher Stimme Lieder falscher Liebe; Du stahlst den Abdruck ihrer Phantasie Mit Flechten deines Haares, buntem Tand, Mit Ringen, Sträußen, Näschereien (Boten Von viel Gewicht bei unbefangner Jugend); Entwandest meiner Tochter Herz mit List Verkehrtest ihren kindlichen Gehorsam In eigensinngen Trotz. – Und nun, mein Fürst, Verspricht sie hier vor Eurer Hoheit nicht Sich dem Demetrius zur Eh, so fordr ich Das alte Bürgervorrecht von Athen, Mit ihr, wie sie mein eigen ist, zu schalten. Dann übergeb ich diesem Manne sie, Wo nicht, dem Tode, welchen unverzüglich In diesem Falle das Gesetz verhängt.